25.5.2017

Erneuerbare Energien statt Castor nach Ahaus

1998 wurde die rot-grüne Bundesregierung unter anderem gewählt, weil sie einen Atomausstieg für Deutschland versprach. Davon ist heute im Münsterland und im Emsland weniger denn je zu sehen. Der so genannte Atomkompromiss zwischen Bundesregierung und Atomwirtschaft dient einzig und allein dem Zweck, den Betrieb der bestehenden Atomanlagen langfristig zu sichern. Einige Beispiele aus der Region verdeutlichen dies:

Gronau

Urananreicherungsanlage Gronau (UAA)
mehr Infos: Arbeitskreis Umwelt Gronau

Urananreicherungsanlage (UAA) Gronau

Die Urananreicherungsanlage (UAA) Gronau ist ein wichtiges Glied in der Atomspirale. Hier wird der Rohstoff für die Brennelemente bearbeitet. Wer aus der Atomenergie aussteigen will, muss auch diese Anlage stilllegen. Stattdessen wird die UAA bis 2007 massiv ausgebaut werden. Mit der Verdreifachung der Kapazitätserhöhung von 1800 t auf 4500 t Urantrennarbeit pro Jahr wird in Gronau Brennstoff für rund 35 Atommeiler produziert. Von der Gronauer UAA werden künftig Atomkraftwerke in aller Welt versorgt.

Ein neuer Gleisanschluss sichert die reibungslose Belieferung der Uranfabrik. Beinahe wöchentlich rollen Atomtransporte von und nach Gronau, die Betreiber rechnen in Zukunft mit durchschnittlich 13 Lkw pro Tag. Ferner ist der Bau eines Atommüllagers für 60 000 t Uranoxid geplant. Von einem Ende des Atomzeitalters ist in Gronau keine Spur.

Triftige Gründe sprechen gegen den Betrieb des Gronauer Atomkomplexes: Die UAA Gronau gefährdet die Grundrechte auf körperliche Unversehrtheit und Eigentum. Mit dem Betrieb und dem Ausbau der Gronauer Atomfabrik wird der Weiterbetrieb von Atomkraftwerken im In- und Ausland ermöglicht und die dringend notwendige Energiewende behindert. Es gibt kein sicheres Endlager für den anfallenden Atommüll. Radioaktive Abfälle aus der Anreicherung werden regelmäßig nach Russland exportiert, wo die Fässer unter freiem Himmel vor sich hinrosten.

Störfälle, Flugzeugabstürze, Sabotage und Transportunfälle stellen ein enormes Risiko für Bevölkerung und Umwelt im deutsch-niederländischem Grenzgebiet dar.

Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass abgereichertes Uran, das in Gronau als Abfall anfällt, zu einem späteren Zeitpunkt zum Bau von Uranmunition verwandt wird. Die Urananreicherung ist zudem die Schlüsseltechnologie für den Erhalt atomwaffenfähigen Materials und macht deutlich, dass eine Trennung von angeblich "ziviler" und "militärischer" Nutzung der Atomenergie nicht möglich ist. Urananreicherung ermöglicht immer auch die Weiterverbreitung von Atomwaffen.

Lingen

Atomkraftwerk Lingen ("KKE Emsland")
mehr Infos: AK gegen Castorhalle Lingen

AKW Lingen

Die Brennelementefabrik und das Atomkraftwerk Lingen II sollen ebenfalls langfristig weiter betrieben werden. Das AKW soll frühestens 2020 vom Netz gehen. Die Betreiberfirma RWE kann sich jedoch auch wesentlich längere Laufzeiten vorstellen. Um das zu realisieren, wurde Ende 2002 ein atomares Zwischenlager am AKW eröffnet. Dort sollen die CASTOR-Behälter mindestens 40 Jahre lagern. Was dann mit dem hochradioaktiven Atommüll passiert, ist völlig ungewiss. Statt Ausstieg erleben wir in Lingen den Bau neuer Atomanlagen.

Durch die vom Zwischenlager ausgehende Gamma- und Neutronenstrahlung wird die Strahlenbelastung inder Umgebung des Zwischenlagers erhöht. Das Behälterkonzept entspricht nicht dem Stand von Wissenschaft und Technik. Die Lagerbehälterbilden die einzige Sicherheitsbarriere, das heißt es existiert keine Doppelbarriere im sonst in der Kerntechnik üblichen Sinn. Weder Transport- noch Langzeitsicherheit der Behälter sind gewährleistet. Bei einem schweren durch äußere Einflüsse verursachten Unfall kann die Dichtigkeit der Behälter nicht garantiert werden.

Alle Sicherheitstests sind nur mit Behältermodellen durchgeführt worden, die in wesentlichen Eigenschaften nicht den tatsächlich verwendeten Behältern entsprechen.

Die Kapazität des Zwischenlagers reicht nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz aus, um die Brennelemente aus 50 Betriebsjahren des AKW-Lingen aufzunehmen. Auch wenn das AKW Lingen noch 20 Jahre weiterstrahlen und Atommüll produzieren wird, ist die Lagerhalle eindeutig überdimensioniert. Es ist zu befürchten,daß auch Atommüll aus anderen Atomkraftwerken in Lingen eingelagert wird.

Ahaus

Brennelemente-"Zwischen"lager Ahaus (BZA)
mehr Infos: Bürgerinitiative "Kein Atommüll in Ahaus"

Atommüll-Lager Ahaus

Im sogenannten Brennelemente-"Zwischen"lager (BZA) in Ahaus mit 1500 t Lagerkapazität befinden sich seit 1992 305 Castorbehälter aus dem Thorium-Hochtemperatur-Reaktor (THTR) Hamm-Uentrop. 1998 wurden weitere sechs Castoren aus den beiden süddeutschen AKWs Neckarwestheim und Gundremmingen in die zwei Kilometer vor den Stadttoren liegende Halle gebracht. Für die in Ahaus lagernden Behälter und die mit dem Gorlebener Lager baugleiche Halle gelten die selben Risiken wie für die oben genannte Lingener Anlage.

Durch die rot-grüne Strategie der dezentralen Zwischenlagerung, d.h. den Atommüll direkt an dem Atomkraftwerk zu lagern, wo er anfällt, ist der Atomstandort Ahaus eigentlich überflüssig. Doch Atomkonzerne und Bundesregierung halten daran fest, in Ahaus Atommüll aus den Forschungsreaktoren Garching bei München und aus Rossendorf bei Dresden einzulagern.

Mit dem im Mai und Juni 2005 erfolgten Abtransport von 18 Castorbehältern aus Rossendorf wollten sich die dortigen Betreiber in Ahaus auf die kostengünstigste Weise ihres Mülls entledigen. Zwar steht in Rossendorf ein baugleiches Lager und hat selbst Bundesumweltminister Trittin den Transport nach Ahaus als überflüssig bezeichnet, doch haben auch in diesem Fall die finanziellen Interessen der Betreiber Vorrang vor der Gesundheit und Sicherheit der Bevölkerung.

Castor-Behälter

Die Rossendorf-Castoren können der Türöffner werden für weitere Transporte in die bisher nur zu einem Achtel ausgelastete Ahauser Halle: Nach 2009, vielleicht aber schon viel früher, ist auch mit Transporten aus der sogenannten Wiederaufbereitung, der Plutoniumfabrik in La Hague, zu rechnen.

Zwar haben die Betreiber mittlerweile den Bau einer zweiten Lagerhalle mit dreifacher Lagerkapazität aufgegeben. Solange aber das Ahauser Atommüllager betrieben wird, bietet es Platz für neu zu produzierenden Atommüll. Solange das Ahauser Atommüllager betrieben wird, wird den Genehmigungsbehörden und der Öffentlichkeit wird eine "Entsorgung" vorgegaukelt.

Was nach der Zwischenlagerung mit dem Atommüll geschehen soll, ist jedoch nicht bekannt, weil es weltweit kein sicheres Endlager gibt. Die Lagerhalle in Ahaus wird damit de facto bereits zu einem Endlager, ist dafür allerdings untauglich: Sie bietet z.B. gegen Flugzeugabstürze keinerlei Schutz. Die Betreiber geben selbst zu, im Zusammenhang mit dem 11. September Nachrüstungsbedarf zu haben.

Münster und Münsterland

Castor-Transporte durchs Münsterland
mehr Infos: Widerstand gegen Atomanlagen Münster

Regelmäßig fahren Urantransporte auf der Straße und über die Schiene durch das Münsterland. Ihre Zahl nimmt ständig zu. Auch CASTOR-Transporte mit abgebrannten Brennelementen durchquerten Münster und das Münsterland per Bahn auf dem Weg in die Plutoniumfabriken La Hague (Frankreich) und Sellafield (Großbritannien).

Castor-Behälter

Rund 125 Castoren wurden 2002 aus deutschen AKWs in die Plutoniumfabriken La Hague und Sellafield gebracht, wo sich die Menge des Atommülls weiter vervielfacht und Mensch und Umwelt radioaktiv belastet. Eine "schadlose Verwertung" des Atommülls, wie sie das deutsche Atomgesetz fordert, gewährleistet diese Verschieberei durch halb Europa jedenfalls nicht, wie AtomkraftgegnerInnen aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien immer wieder gemeinsam deutlich gemacht haben.

Gegen Unfälle bei den Transporten gibt es kaum Schutzmöglichkeiten. Feuerwehr und Rettungsdienste der betroffenen Städte und Gemeinden an den Transportstrecken im Münsterland sind nicht über die Transporttermine informiert. Allein die Anti-Atom-Initiativen im Münsterland garantieren Information und Aufklärung der Bevölkerung.

Auch abseits der Atomanlagen zeigt sich hier die völlige Verantwortungslosigkeit der bundesdeutschen Atompolitik.

Hamm

Thorium-Hochtemperatur-Reaktor (THTR), Hamm-Uentrop
mehr Infos: BI Umweltschutz Hamm, THTR-Archiv

In Hamm steht der stillgelegte Thorium-Hochtemperatur-Reaktor (THTR). Einst Vorzeigeobjekt des "Wirtschaftsstandortes NRW" soll die Ruine 2009 abgerissen werden. Wie das geschehen soll, ist noch unklar. Doch die Betreiberfirma, eine Tochter der RWE, wird weiterhin steuerlich begünstigt. Und die gescheiterte Technologie wird im niederrheinischen Forschungszentrum Jülich weiter als Verkaufsschlager gehandelt. Konkret soll u.a. in Südafrika ein Atomkraftwerk mit Hilfe aus NRW gebaut werden.

Sofortiger Atomausstieg ist machbar und nötig

Widerstand im Münsterland

So stellen wir uns den Atomausstieg nicht vor. Wir wollen nicht, dass neue Atomanlagen in unserer Region oder anderswo mit deutscher Hilfe gebaut werden. Die Gefahren der Atomenergie sind zu groß, als dass wir bis 2020 oder noch länger auf einen angeblichen Ausstieg warten können. Das Risiko eines neuen Super-GAUs sowie eines CASTOR-Unfalls ist real und nicht hinnehmbar.

Die Anti-Atom-Initiativen im Münsterland und Emsland fordern deshalb:

  • Der Neubau und die Erweiterung bestehender Atomanlagen ist unverzüglich zu stoppen! Die Landesregierungen in Düsseldorf und Hannover müssen jegliche Förderung der Atomenergie sofort beenden!
  • Die Erforschung neuer Reaktorlinien ist einzustellen!
  • Urantransporte und Atomtransporte müssen sofort gestoppt werden!
  • Alle Atomanlagen der Region sind sofort stillzulegen. Dazu muss die Bundesregierung den so genannten Atomkonsens aufkündigen, weil er einseitig nur die Interessen der Atomindustrie berücksichtigt!

(Positionspapier münsterländer Anti-Atom-Initiativen, 2005)

Erneuerbare Energien statt Atomenergie

(c) photocase.com

Atomenergie ist und bleibt die mit Abstand gefährlichste Art, Strom zu erzeugen. Verantwortung für die Zukunft bedeutet Abschalten der Atomanlagen. Denn: Atomkraft heißt Risiko: Der nächste GAU, die nächste Kernschmelzkatastrophe kann jeden Tag passieren – auch in deutschen Reaktoren. Atomkraft heißt strahlende Zukunft: Weltweit gibt es keinen Ort, um den ewig strahlenden Abfall aus den Atomanlagen so sicher zu lagern, dass die kommenden Generationen nicht bedroht sind. In Deutschland sind Gorleben und Salzgitter als Endlager vorgesehen, obwohl beide Standorte ungeeignet sind.

Atomkraft heißt schleichende Vergiftung:

Schon der so genannte störungsfreie Betrieb hat fatale Folgen. In den Uranabbaugebieten werden ganze Landstriche vergiftet und rund um Atomanlagen erkranken Kinder häufiger an Leukämie.

Atomkraft heißt Bombe:

Die sogenannte zivile Nutzung der Atomkraft dient in immer mehr Staaten der Vorbereitung der militärischen Atom-Option. Atomkraft heißt Innovationsblockade: Wird weiter auf diese Dinosauriertechnik gesetzt, sind Investitionen in eine effiziente und zukunftsträchtige Energieversorgung blockiert.

Atomkraft heißt Castor:

Mit den Castor-Transporten wird Atommüll unter Einschränkung von Grundrechten mit massivem Polizeieinsatz quer durch Europa gekarrt, von einem Zwischenlager in ein anderes, weil niemand weiß wohin damit.

Erneuerbare Energien sind die mit Abstand vernünftigste Art, Strom und Wärme zu erzeugen. Verantwortung für die Zukunft bedeutet massiver Ausbau der erneuerbaren Energien.

Erneuerbar heißt Atomausstieg und Klimaschutz:

Windräder

Mit dem Einsatz von Erneuerbaren, gekoppelt mit Energiesparen und effizienterer Energienutzung, kann die Atomkraft schon jetzt und die klimaschädliche Nutzung fossiler Brennstoffe mittelfristig ersetzt werden. Es gibt keinen besseren Klimaschutz als Strom und Wärme aus Sonne, Wind, Wasser, Biomasse und Erdwärme.

Erneuerbar heißt verbrauchernah:

Strom und Wärme aus Erneuerbaren lassen sich meist dezentraler und damit näher an den EndverbraucherInnen gewinnen.

Erneuerbar heißt Sicherheit:

Die Erneuerbaren sind risikoärmer als jede andere derzeitige Methode der Stromerzeugung.

Erneuerbar heißt zukunftssicher:

Photovoltaik-Module

Während Uran, Kohle, Öl und Gas endliche und umkämpfte Rohstoffe sind, werden Sonne, Wind, Wasser, nachwachsende Rohstoffe und Erdwärme immer zur Verfügung stehen.

Erneuerbar heißt kostengünstig:

Während in allen anderen Energiesparten die Preise steigen, fallen sie bei den Erneuerbaren und werden auch in Zukunft weiter sinken.

Erneuerbar heißt Arbeit:

Der Ausbau der Erneuerbaren ist ein Jobmotor ersten Ranges.

Gegen die Vorherrschaft der Stromkonzerne:

Eigentlich ist also alles klar: Erneuerbare statt Atomkraft. Es ist Propaganda, wenn E.on, RWE, Vattenfall und EnBW behaupten, Atomkraft sei billig und schütze das Klima. Doch die vier großen Stromkonzerne in Deutschland wollen ihre Marktbeherrschung mit aller Macht verteidigen und setzen auf den Weiterbetrieb der Atomkraftwerke und die Deckelung der Erneuerbaren Energien. Sie wollen das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) abschaffen und betreiben eine Renaissance der Atomenergie. Außerdem wollen sie gemeinsam mit dem Reaktorbauer Siemens auch global weiter an der Atomkraft verdienen – auf Kosten der kommenden Generationen. Dem Denken „Profit hat Vorfahrt vor Leben“ erteilen wir ein klare Absage.

(Aufruf zur bundesweiten Demonstration "Erneuerbare Energien statt Atomenergie", Nov. 2005)