29.4.2017

Broschüre: Ahaus und der Tag X

Bürgerinitiative "Kein Atommüll in Ahaus" (Hg.): Ahaus und der Tag X - Eine Dokumentation. 60 Seiten, Selbstverlag der Herausgeberin, erschienen im Sommer 1998

Die Dokumentation der Bürgerinitiative "Kein Atommüll in Ahaus" beleuchtet die Vorkommnisse rund um den Transport von hochradioaktivem Atommüll in das Ahauser Atommüll-Lager am 20. März 1998 - gewaltsame Aufhebung des Demonstrationsrechts bei dem bis dahin größten Polizeieinsatz der Bundesgeschichte. Die Kinderbuchautorin Gudrun Pausewang schreibt in ihrem Vorwort: "Werter Vater Staat, wir sind diejenigen deiner Bürger, die ihre staatsbürgerliche Pflicht nicht nur darin sehen, sich alle vier Jahre an der Wahlurne von dir fragen zu lassen: 'Na, wie hätten Sie's denn gern?' Wir sind der Meinung, daß es die Pflicht jedes Basisbürgers eines demokratisch regierten Staates ist, sich ständig mitverantwortlich zu fühlen für das, was politisch in unserem Land - und nicht nur da! - geschieht. Deswegen wehren wir uns gegen die Atommüll-Transporte, die du, Vater Staat, uns aufzwingst."

Einleitung der HerausgeberInnen

Was soll das?
30.000 Polizistinnen schützen den Castor-Transport.

Was soll das?
Weiträumige Versammlungsverbote.

Was soll das?
Herbeireden von Chaoten und Gewalttätern.

Was soll das?
Unrechtmäßige Campräumungen.

Was soll das?
Mehr als 600 Menschen in Gewahrsam.

Was soll das?
Gefangenensammelstellen als rechtsfreie Räume.

Was soll das?
Vermummte Polizeieinheiten mit Schlagstöcken gegen friedliche Demonstranten.

Was soll das?

Diese Reibung ließe sich (leider) noch lange fortsetzen.
Trotzdem erklärte der Polizeisprecher Walther Schmitz, dass der Zug nach rund 17stündiger Fahrt im Lager angelangt sei - "ohne größere Zwischenfälle!"

Ohne größere Zwischenfälle? Was soll das?

Die vorliegende Dokumentation soll aufzeigen, dass es tatsächlich eine große Anzahl von "Zwischenfällen", von "nennenswerten Zwischenfällen" gegeben hat, die vielleicht nur zur Sprache gebracht werden können, wenn wir alle "von Ort zu Ort gehen" und darüber reden.

Diese Einsicht hat auch uns vier als Redaktionsteam zusammen- und an die Arbeit gebracht.
Wir haben gemeinsam überlegt, wie wir all das, was wir am Tag X in und um Abaus beobachtet, erlebt und auch erlitten haben und was durchaus wert ist, benannt zu werden, dokumentieren können.

Wir wollten und konnten keine lückenlos dokumentierte Zeitgeschichte veröffentlichen, haben aber unsere eigenen Beobachtungen und Erlebnisse (z.B. auch in der Gefangenensammelstelle in Münster) ergänzt durch viele, sehr unterschiedliche Erfabrungsberichte.

Auch eine sehr gut besuchte Veranstaltung in der Stadthalle in Ahaus zur Aufarbeitung des Tages X" hat mit dazu beigetragen, Licht in das wohl offensichtlich von Politik und Polizei gewünschte Dunkel des Tages X zu bringen.

Wir danken an dieser Stelle all denen, die ihre Erfahrungen aufgeschrieben und damit dieses Projekt unterstützt und ermöglicht haben.

Die Berichte und Stellungnahmen sind z.T. so persönlich, dass wir sie - auch zum Schutz der Berichtenden - alle ohne Namensnennung veröffentlichen. Anonyme Zuschriften und entsprechende Interneteinträge haben wir dagegen aber bewusst nicht mit aufgenommen.

Die VerfasserInnen aller hier auszugsweise oder vollständig abgedruckten Beiträge sind uns namentlich und zum Teil auch persönlich bekannt.

Sicher wird (trotz der 100 Seiten!) schnell der Vorwurf einer gewissen Einseitigkeit hörbar werden. Sicher hat es auch eine große Anzahl von Polizeieinsätzen gegeben, die vergleichbar mit den Erlebnissen der hier zitierten Beamtin aus Wuppertal gewesen sind.

Wir sind aber der Überzeugung, dass wenn von Verantwortlichen in Politik und Polizei die Grundrechte geachtet werden, die Polizei sich rechtmäßig und damit auch verhältnismäßig verhält, dass all dies nicht besonders erwähnt werden muss - oder sind die Verhältnisse schlimmer, als wir denken?

Bei unserer Arbeit haben wir uns gegenseitig kennen und schätzen gelernt und vor allem die Erfahrung gemacht, dass es hilft, über das Unglaubliche, aber eben doch Erfahrene zu sprechen, dass dies neue Kraft, Mut und Entschlossenheit schenkt.

Deshalb haben wir auch die Einzeldokumente - von Zeitungsausschnitten, über Zitate, ganze Briefe und verschiedene Fotos - so zusammengestellt, dass sie zu Gesprächen, zu Rückfragen auch an eigene Erinnerungen anregen, dass sie neugierig machen, andere Betroffene zu fragen, und mutig werden lassen, die Verantwortlichen zur Rede zu stellen.

Darum haben wir die Leserin und den Leser nicht an die Hand nehmen wollen, keine langen Erklärungen, Erläuterungen und Kommentare hinzugefügt, sondern das Anstößige so aufbereitet, dass es frag-würdig wird. Dass all die hier aufgeworfenen Fragen eines Tages vielleicht besser beantwortet werden als in dem peinlichen und fast schon nicht mehr zitierfähigen Brief aus dem Innenministerium, ist in einer Demokratie Aufgabe für alle Bürgerinnen und Bürger.

Hierzu möchten wir beitragen, indem wir die Leserinnen und Leser ermutigen: "Jetzt x-tra."

Ingrid - Maria - Mechthild - Werner

Zu beziehen ist diese Broschüre bei der Herausgeberin:

Bürgerinitiative "Kein Atommüll in Ahaus"
Postfach 1165
48683 Ahaus
fon 02561/961791
fax 02561/961792

www.bi-ahaus.de